Friedrichsfeld am Niederrhein
Vorgestellt von Winfried Gellings

 Zur Entstehung des Ortsteiles Friedrichsfeld

Friedrichsfeld ist ein Ortsteil mit weitgehenden

historischen Begebenheiten, dessen Name vor allem als

Truppenübungsplatz einst in allen deutschen Landen bekannt

war, wo hoher Wohlstand mit tiefen Notstand wechselten und

zur Zeit in folge größerer Industrieansiedlungen wiederum

in das Blickfeld der Öffentlichkeit gerückt ist. 

Vor 1760 gehörte das heutige Friedrichsfeld zur Spellener Heide,

wo Schafherden weideten und auch Jäger in den Wäldern und im 

Gestrüpp auf verborgenen Wegen das sorglose Wild Überraschten.

Die Spellener Heide erstreckte sich weithin bis zu den mit Waldungen

umrahmten Testerbergen. Diese Gegend war nur wenig bevölkert.Einzelne

haben erst anfang des 18. Jahrhunderts, mehrere in der Zeit von 1863

bis 1868 im Bereich des Landwehrweges gesiedelt. Nur einzelne Anwesen

waren um diese Zeit in Oberemmelsum, im fruchtbaren Lippegebiet vor=

handen. Bereit in der damaligen Zeit haben schon Truppen des 7.Armee=

korps in Wesel mehrfach die Spellener Heide als Truppenübungsplatz,

vielleicht auch als Schlachtfeld benutzt.

      Die Geburtsstunde von Friedrichsfeld   

                                              

Im allgemeinem führt man die Ortsbezeichnung  Friedrichsfeld  auf

Friedrich den Großen zurück. Es ist geschichtlich nachgewiesen, das 

der große König, in den Jahren 1763 und 1768, das Gelände auf der

Spellener Heide besichtigt hat. Aber es muß eindeutig darauf

hingewiesen werden, daß er damals nicht von dem Kommandanten

Hauptmann Loeffler auf dessen Gut zu einem Frühstück eingeladen

worden ist, so wie es im Volksmund verbreitet wirt. Aus dem

 Staatsarchiv in Düsseldorf ist ersichtlich ,daß Loeffler 1763 und

 1768 noch kein Land in der dortigen Gegend besaß und daher auch

 keinen Gast auf seinem Gut aufnehmen konnte. Die Besitzer der

 Spellener Heide waren zu dieser Zeit die Deputierten und Geerbten

 von Spellen. Diese haben erst 1768 einige Morgen des erwähnten

 Gebietes zur Tilgung der Kriegsschuld verkauft. Auf einem

 Verkaufstermin am 29.März 1773 im Wirtshaus zur Oberflam trat Johann

 Loeffler als Wardaufseher und Käufer auf. In den im Staatsarchiv

 Düsseldorf aufbewahrte Akten heißt es:"Am 31.05.1775 erscheint der

 königliche Wardaufseher Johann Loeffler auf dem Landgericht in

 Dinslaken und gibt an, daß er zwei holländische Morgen von den

 Geerbten in Spellen gekauft hat."

 Loefflers Besitz befand sich dort, wo später das Truppenübungslager

 Friedrichsfeld  entstand. Seine Gebäude standen dort, wo heute die

 Gastwirtschaft Ulrich steht. Nach den Jahren 1773 und 1775, in denen 

 Loeffler seine Kolonien erworben hat, haben Besuche Friedrichs des 

 Großen  nicht stattgefunden. Loeffler selbst hat warscheinlich sei=

 nem Besitz den Namen Friedrichsfeld gegeben, weil das erscheinen des 

 Großen Königs in diesem unbedeutenden Gelände  einige Jahre vorher,

 vom Volksmund überliefert, als großes Ereignis gewertet wurde.

 Friedrich der Große starb 1786, er war 6 mal in der Garnisonstadt

 Wesel und hat mehrmals den Truppenübungsplatz Friedrichsfeld besucht

                                              

      Der Nordturm auf der Spellener Heide - Heute BP. Gelände

    Die Geschichte des Truppenübungsplatz auf der Spellener Heide

 Im Jahre 1817 erwarb der preußische Staat von der Gemeinde Spellen

 dreihundert Morgen Heideland und zahlte für den Morgen 10 Taler.

 Dieses Gelände im bereich des "Tannenhügels" wurde Infantrie-Exer=

 zierplatz für die Weseler Garnison. Von der nach Osten liegenden

 Heidefläche pachtete der Staat 1819 noch einmal dreuhundertfünfund=

 achtzig Morgen. Durch dieses Gebiet ging die Hünxer Straße, die von

 der B 8 über Bucholtwelmen nach Hünxe führte und heute vor dem 

 Gelände der BP endet. Dieses war nun die "Spellener Heide",der große

 Artillerie-Schießübungen, übernommen werden. Im Jahre 1850 wurde

 durch ein Infantrie-Schießstand von 580 Schritt erbaut, weil die 

 Scheibenstände auf der Büdericher Insel eine Verlängerung nicht mehr

 zuließen.Fünf Jahre Später wurde der neue Schießstand auf 1000       

 Schritt verlängert und erhielt dadurch den Anfangpunkt dicht an der 

 Dinslakender Chausee. Im Jahre 1860 erforderte der Schießstand eine

 nochmalige Erweiterung.

 Die übenden Truppen waren zu dieser Zeit noch in den umliegenden

 Ortschaften einquartiert. Die ständige Unzufriedenheit der Bauern

 veranlaßte die Gemeindevertretung von Spellen, im Jahre 1857 dem

 Staat die Pacht der Spellener Heide zu kündigen. Es kam zu mehreren

 Prozessen.In der Endinstanz wurden die Eigentumsrechte der Spellener

 nicht mehr anerkannt und das gesamte Gelände enteignet. Die Kaufsum=

 me aus der Enteignung in Höhe von 46000 Thaler wurde an die 159 In=

 teressen in Spellen verteilt. Nun mußte der Staat auf dem Truppen=

 übungsplatz auch für Unterkünfte sorgen.1869 wurde auf dem südlichen

 Teil ein Zeltlager errichtet, worin vier Batterien untergebracht

 werden konnten.

 Der damalige Bürgermeister, von der Mark, der im Bereich des Gutes

 Loeffler eine Papierfabrik besaß, die er mit 47 Morgen gekauft hatte

 ließ auf seinem Gelände Truppenunterkünfte bauen für 4 Offiziere,

 2 Feldwebel und 193 Unteroffiziere und Mannschaften. So kam Leben 

 in Friedrichsfeld und verschiedene Wirte errichteten für die hier 

 übenden Truppen Gaststätten.

 Im Krieg 1870/71 wurden zahlreiche Gefangene gemacht, die zum Teil

 in Wesel auf der "Römerward" und auf der "Büdericher Insel" unterge=

 bracht waren. Der in den Winter hineinziehende Krieg machte die 

 Errichtung weiterer Unterkünfte erforderlich. Im Bereich des Gutes

 FRIEDRICHSFELD wurde ein Barackenlager gebaut. 1500 Handwerker wurden

 für den Bau aufgeboten. Die Bauern mußten Hand-und Spanndienste zur

 Heranschaffung des Baumaterials leisten. Für die Unterbringung von

 10000 Gefangenen baute man 24 Mannschaftbaracken, von denen jede 92

 Mann erfaßte. Ferner 2 Küchen, 25 Offiziersbaracken, 8 Ställe für 92

 Pferde, 1 Arresthaus und 1 Offizierskasino. Die kosten beliefen sich

 auf rund 250.000 Thaler.

 Am 10. November 1870 wurde das Lager von Gefangenen belegt, die dort

 bis zum 11. Juli 1871 verblieben. Es starben in dieser Zeit 248 

 Franzosen an Pocken und Ruhr, dieselben wurden auf dem sogenannten

 "Franzosenfriedhof" an der Hünxer Straße begraben. Auf diesem Fried-

 hof ist von den Gefangenen des Krieges1870/71 zu Ehren der in dieser

 Zeit Verstorbenen ein Denkmal errichtet worden.Die dort Beigesetzten

 wurden nach dem ersten Weltkrieg von den Franzosen exhumiert und 

 nach Frankreich überführt.

 Eine traurige Erinnerung an dieses Gefangenenlager hat die Bürger -

 meisterei Götteswickerhamm. Die Bauern kauften,nach Abzug der Fran-

 zösischen Gefangenen, das Lagerstroh und holten sich damit die Ruhr

 ins Haus, an der in kurzer Zeit vierhundert Menschen starben.

 Im Jahre 1874 wurde das Lager mit preußischen Truppen belegt. Der

 Truppenübungsplatz und die Schießstände wurden weiter ausgebaut. Die

 alte Hünxer Straße wurde wärend der Schießübungen gesperrt. Aus 

 diesem Grund wurde die neue Hünxer Straße gebaut, die jetzt durch die

 emalige BP Raffinerie unterbrochen ist.

 Der Tannenhügel hat nach dem zweiten Weltkrieg wieder Sportliche

 Bedeutung erlangt. Der Sportverein 08 hat 1920 mit eigenen Mitteln

 am Tannenhügel einen Sportplatz geschaffen, wo Fußball und Leicht -

 athletikwettkämpfe ausgetragen wurden. In den späteren Jahren 

 mußte das Tannenhügelgelände für Siedlungszwecke freigegeben 

 werden. Nördlich vom Tannenhügel wurden bessere Sportplätze geschaf-

 fen. Der Tannenhügel war eine kleine Anhöhe, auf der sieben Tannen

 standen.

 Die Zeit von1871 bis zu Beginn des ersten Weltkrieges hat Friedrichs-

 feld eine wirtschaftliche Bedeutung erlangt. Gasstätten, Hotels und 

 Kantinen wurden errichtet,  so daß sich ein wesentlicher Wohlstand 

 ergab.    

  Für Friedrichsfeld war bis 1929 die Wirtschaftliche Lage noch zufrie-

 denstellend, da durch den Bau des Lippeseitenkanals viele Beschäf-

 tigung fanden. Nach dieser Zeit wo in ganz Deutschland die Zahl der

 Erwerbslosen  stieg , verschlechterte sich hier fortlaufend  der Lebens-

 standart, so das Friedrichsfeld zu den größten Notstandsgebieten

 gehörte.

 Die Industrie (Thyssen) kaufte Anfang des 20. Jahrhunderts viele Höfe 

 am Südufer der Lippe. Nach dem zweiten Weltkrieg hat die BP weitere  

 Höfe für den Bau einer Ölraffinerie gekauft.

 Nach dem ersten Weltkrieg wurden die freigewordenen Baracken des

 Truppenübungsplatz mit Flüchtlingen aus den östlichen und westlichen

 Grenzgebieten belegt.

 Der Truppenübungsplatz wurde von einer neu gegründeten

 Siedlungsgesellschaft käuflich erworben. Wohnblocks wurden errichtet

 zunächst an der Wilhelmstraße und am Bauhof, später entstanden am

 Eichenweg und an der Nordstraße, am Siedlerweg und an der Grenzstraße

 Eigenheime. Die vorhandenen Baracken wurden renoviert, teilweise auch

 abgebrochen und bessere Wohnmöglichkeiten geschaffen. 

 In den späteren Jahren, nach dem zweiten Weltkrieg, wurde ein 

 Demonstrativprogramm für den Bau weitere Wohnungen aufgestellt. In

 den Nachkriegsjahren wurde der Grundstein zu einer städtebaulichen 

 Entwicklung gelegt.

 Bis zum Beginn des letzten Krieges ist zu erwähnen, daß 1938 die

 Babcockwerke Oberhausen sich entschlossen, auf dem Gelände der Spellener-

 Heide das Jurenka-Werk Friedrichsfeld zu errichten.

 Die erste Halle enstand 1939.  

          

Für die Kontaktaufnahme kommt nun noch die E-Mail-Adresse.

   

 

 

     

 

 

 

 

 

 

 

Winfried Gellings